Smart-Meter-Rollout kommt – aber wann und für wen überhaupt?

28.11.2019 Smart-Meter-Rollout kommt – aber wann und für wen überhaupt?

Seit Inkrafttreten des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) im Jahr 2016 (wir berichteten mehrfach, sehen Sie bei Interesse hier, hier oder hier) wartet die Energiewirtschaft auf den offiziellen Startschuss zum Smart-Meter-Rollout. Es ist davon auszugehen, dass dieser noch in diesem Jahr fallen wird. Derzeit ist aber noch unklar, für wen genau. Wir geben einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand.

Der Rollout, also die flächendeckende Einführung von intelligenten Messsystemen setzt nach dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) voraus, dass mindestens drei solcher Smart Meter am Markt verfügbar sind, die die technischen und vor allem datenschutzbezogenen Anforderungen erfüllen, die das MsbG formuliert (wenn Sie grundsätzlich wissen wollen, wie der Smart Meter Rollout funktioniert und was genau das MsbG ist, empfehlen wir Ihnen den gemeinsam mit der ComMetering GmbH erstellten Leitfaden, den Sie kostenfrei hier abrufen können).

Für die Zertifizierung sowie die Erklärung, dass es so weit ist und der Rollout beginnen kann, ist das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zuständig. Bereits im Januar 2019 veröffentlichte das BSI nach den Vorgaben des MsbG eine erste ausführliche Marktanalyse, in der das BSI einen Überblick über den damaligen Stand der Zertifizierung gab und eine Art „Vorschau“ auf die künftige Markterklärung bzw. die „Feststellung der technischen Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsysteme“ ermöglichte (abrufbar hier).

Dabei entstand allerdings einiges an Verwirrung. Diese betrifft insbesondere die schon länger umstrittene Frage nach dem Zusammenspiel von neuer verpflichtender Messtechnik und den für viele EEG-Anlagen erforderlichen verschiedenen Steuerungseinheiten (z.B. die Einspeisemanagementeinrichtungen des Netzbetreibers oder die Fernsteuereinheit des Direktvermarkters, wir berichteten hierzu). So ist das „Fernziel“, dass über die neuen intelligenten Schnittstellen nicht nur die Messung, sondern auch die Steuerung der ausgerüsteten Anlagen stattfinden soll, jedenfalls was den Direktvermarkter angeht. Noch können die absehbar verfügbaren Systeme dies aber noch gar nicht leisten. Daher wird derzeit diskutiert, ob Anlagenbetreiber, die bereits verpflichtend oder freiwillig Steuerungstechnologie verbaut haben oder dies künftig tun müssen, wirklich verpflichtet werden sollen, zusätzlich nun bereits intelligente Zähler der ersten Generation(en) einzubauen und damit im Ergebnis zu redundanten Nachrüstungen verpflichtet wären.

Grundsätzlich denkbar ist daher auch, dass bestimmte Betreibergruppen – insbesondere im kleineren/mittleren PV-Bereich – erst einmal vom BSI aus dem Rollout ausgeklammert werden. Sicher ist dies aber keinesfalls. Größere Anlagen (Leistung > 100 kW) sollen ohnehin erst einmal nicht betroffen sein.

Da all dies aber nicht wirklich sicher ist, bis nicht die Erklärung des BSI veröffentlicht ist, bleibt hier letztlich Vieles Spekulation. Vereinzelt versuchen sich daher Marktteilnehmer daran, die verschiedenen denkbaren Szenarien einmal durchzuspielen und diese auf Handlungsoptionen der (eventuell) Betroffenen Betreiber hin zu analysieren (wir verweisen insoweit etwa auf die kürzlich von ComMetering veröffentlichte Kurzanalyse „Was tun zum Rollout-Start – Bestandsschutz, Einbaupflichten, Fristen und alternative Optionen zum Beginn des Smart-Meter-Rollouts“, kostenfrei abrufbar hier).

Fazit: Klar ist nur, dass der Rollout nun anscheinend wirklich unmittelbar bevorsteht, aber noch nicht, wie genau er am Ende dann aussehen wird und wen er konkret adressiert. Was heißt das nun für die Betroffenen? Erst einmal noch gar nicht so viel, denn die Einbauverpflichtung soll „über Bande“ umgesetzt werden: Unmittelbar aus dem Gesetz verpflichtet ist nicht der eigentlich Betroffene, sondern der grundzuständige Messstellenbetreiber (in der Regel der Netzbetreiber). Sie müssen als Betroffener eines verpflichtenden Smart-Meter-Einbaus also nicht von sich aus aktiv werden, um der Pflicht nachzukommen, sondern Sie können abwarten, bis Ihr Netzbetreiber sich bei Ihnen meldet. Es bleibt Ihnen aber natürlich unbenommen, sich schon jetzt selbst um einen intelligenten Zähler zu bemühen, wenn Sie möchten. So lange der Rollout noch nicht läuft, haben Sie auf diese vorzeitig verbaute Messtechnik dann auch acht Jahre Bestandsschutz. Insoweit aber der Hinweis: Ab dem offiziellen Rollout-Startschuss ist der Einbau von nicht nach dem MsbG zertifizierten Zählern nicht mehr geschützt. Sollten Sie also noch mit dem Gedanken spielen, nicht „MsbG-zertifizierte“ intelligente Messtechnik zu verbauen, sollten Sie sich angesichts des wohl unmittelbar bevorstehenden Rollouts mit Ihrer Entscheidung gegebenenfalls nicht mehr allzu viel Zeit lassen.

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